Auch Managementsysteme müssen sich kontinuierlich weiterentwickeln, um sich den ändernden gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Entwicklungen anzupassen.

Die offensichtlichste Änderung betrifft den Normenaufbau. Durch die High Level Structure wird die Kompatibilität mit anderen Managementsystemen, wie z.B. der ISO 14001 oder der ISO 50001, erleichtert. Inhaltlich stellt die ISO 9001 den Kontext der Organisation, interessierte Parteien, den risikobasierten Ansatz sowie den Umgang mit Wissen stärker hervor. Der obersten Leitung wird eine größere Verantwortung für das Qualitätsmanagementsystem zugewiesen. Der Qualitätsmanagementbeauftragte (Beauftragte der obersten Leitung) wird in der ISO 9001 nicht mehr erwähnt. In der Praxis ist er jedoch nicht wegzudenken.

Die oberste Leitung (Geschäftsführung) ist für das QM-System verantwortlich. Verantwortlichkeiten und Befugnisse können delegiert werden, es gibt jedoch keine Anforderung an einen Beauftragten der obersten Leitung.

All diese Aspekte werden wir in diesem Beitrag näher erläutern.

Die Entwicklung der ISO 9001 im laufe der Jahre

  • 1979 – BS 5750 wurde in Großbritannien veröffentlicht
  • 1987 – ISO 9001:1987 veröffentlicht (1. Revision)
  • 1994 – ISO 9001:1994 veröffentlicht (2. Revision)
  • 2000 – ISO 9001:2000 veröffentlicht (3. Revision)
  • 2008 – ISO 9001:2008 veröffentlicht (4. Revision)
  • 2015 – ISO 9001:2015 veröffentlicht (5. Revision)

Die High Level Structure

Ein Bestandteil des Annex SL ist die sogenannte High Level Structure. Hierbei bedeutet das „High Level“ nicht ein besonders hohes Niveau, sondern ist im Sinne von übergeordneter Inhaltsstruktur für alle Managementnormen zu verstehen. Mit der ISO 9001:2015 bekommt die Norm genau diese High Level Structure sowie die gleiche Abschnittsreihenfolge, einheitliche Texte und eine einheitliche Terminologie wie andere Managementsystemnormen, z. B. die ISO 14001 (Umweltmanagementsystem). Ziel dieser Grundstruktur ist ein einheitlicher Aufbau aller Normen, um eine verbesserte gegenseitige Kompatibilität mit anderen Managementsystemen zu erreichen.

Was ändert sich gegenüber der Vorgängerversion?

  • Verbesserte Anwendbarkeit für Dienstleistungsorganisationen
  • Weniger detailliert beschriebene Anforderungen
  • Verstärkte Berücksichtigung des Umfeldes der Organisation
  • Die Flexibilität der Nutzung der Dokumentation wird erhöht
  • Die Anforderungen an die Führung nehmen zu
  • Keine Forderung nach einem Beauftragten der obersten Leitung
  • Ziele müssen präzise und mit Zeitbezug formuliert werden
  • Wissensmanagement nimmt an Bedeutung zu
  • Bei der Planung müssen Risiken berücksichtigt werden
  • Die Betrachtung von „Risiken“ und „Risikomanagement“ nimmt deutlich an Bedeutung zu
  • Prozesskenzahlen werden gefordert
  • Die strategische Ausrichtung der Organisation wird verstärkt berücksichtigt
  • Kompetenz des Personals ist auf allen Ebenen sicherzustellen

DIN EN ISO 9001:2015 Gliederung und Vergleich mit dem PDCA-Zyklus (Deming-Kreis):

0 Einleitung PDCA-Zyklus
1 Anwendungsbereich
2 Normative Verweise
3 Begriffe
4 Kontext der Organisation (Plan)
5 Führung (Plan)
6 Planung (Plan)
7 Unterstützung (Do)
8 Betrieb (Do)
9 Bewertung der Leistung (Check)
10 Verbesserung (Act)